Mayer, Carmen

Carmen Mayer Foto © Wolfgang Kampert/ Beata Kopec
Carmen Mayer
Foto © Wolfgang Kampert/ Beata Kopec

LinksBücher Video Veranstaltungen InterviewHören

Geboren und aufgewachsen in Baden-Württemberg, lebt Carmen Mayer inzwischen seit über 30 Jahren mit ihrer Familie in Bayern. Nach Kurzgeschichten in diversen Anthologien stellte sie sich mit ihrem Romandebüt EISWEIN als Autorin für Kriminalromane vor. Der zweite Band RAUHNÄCHTE beschloss die Würzburg-Reihe um die beiden Kommissare Walter Braunagel und Norbert Schwarz: Im dritten Band KREUZZEICHEN begann der fränkische Kommissar in Ingolstadt einen neuen Lebensabschnitt, und auch der vierte Band HURENTÖCHTER ist hauptsächlich um die heimliche Donau-Metropole angesiedelt. DIE ROSE VON ANGELÂME, bei edition oberkassel 2011 herausgekommen, ist ihr historisches Romandebüt.

Interview mit Carmen Mayer

Carmen Mayer in einem Gespräch über ihren Ingolstadt-Krimi und dem historischen Roman

Webseiten:
Carmen Mayer
Kommissar Braunagel

bei edition oberkassel:

Nächste Veranstaltungen

Lesung aus 'Dezembergeschichten' in der Kulturzeit auf dem Ingolstädter Weihnachtsmarkt 24/11/2017 - 22/12/2017 / Ingolstadt
Carmen Mayer und die Weihnachts-Literalounge No. 39 im Foyer des Großen Hauses, Stadttheater Ingolstadt 05/12/2017 / Ingolstadt

Interview

Interview __________________

In der Literaturlandschaft Ihres Heimatortes sind Sie gar nicht mehr so unbekannt. Trotzdem wäre es interessant, wo Ihre Wurzeln sind. Wo kommen Sie her? Was haben Sie vor dem Schreiben gemacht?

Ich wurde im württembergischen Mühlacker geboren, bin Industriekauffrau und lebe seit vielen Jahren mit meiner Familie in Bayern. Allerdings gibt es bei mir kein wirkliches ‚vor dem Schreiben‘, wenn man mal von der Zeit vor Schulbeginn absieht. Ich habe mir immer schon Geschichten ausgedacht, später dann als Comics gezeichnet oder aufgeschrieben.

Wie würden Sie sich charakterisieren? Gerne auch in Stichworten.

Ich nehme mich und die Welt nicht ganz so ernst, bin neugierig aufs Leben, interessiert an allem, was es zu bieten hat, pingelig, wenn Genauigkeit gefragt ist, kann mich an Themen festbeißen, die mich berühren, bin laut bei Ungerechtigkeiten, verständnislos gegenüber Leuten, die nichts mit Vorsicht, Rücksicht, Nachsicht und Toleranz anfangen können, auf deren Fahne vorne etwas anderes steht als hinten, bin verständnisvoll und geduldig gegenüber denen, die wie ich nicht so wirklich geradeaus ticken.

Ohne was können Sie den Tag nicht überstehen?

Ohne ein Buch!

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Gab es besondere Ereignisse, die Sie auf den Weg zur Schriftstellerin gebracht haben?

Ein langer Schulweg, den ich allein gehen musste, und auf dem ich mir die abenteuerlichsten Geschichten ausgedacht habe, war der Anfang von allem. Viele Jahre später kam das Bedürfnis, meine Geschichten aufzuschreiben und in einem Literaturforum einzustellen. Da wurde mir aufgrund der Reaktion meiner KollegInnen klar: Ich kann schreiben. Dann sollte ich das auch tun.

Bist du heute als professionelle Autorin in Verbänden?

Ja. Ich bin Mitglied bei HOMER, im BVjA und sehr aktiv bei den Mörderischen Schwestern.

Wie kommen Sie auf die facettenreichen Figuren in deinen Romanen?

Die entstehen beim Beobachten von Menschen in allen möglichen Situationen: bei Zugfahrten, im Café, beim Einkaufen, Spazierengehen, auf Feiern, in Gesprächen mit Freunden, dem Zahnarzt, der Wurstverkäuferin im Supermarkt …

Wo holen Sie sich Ihre Inspiration her? Wie kommen Sie auf die Themen? Wo kommen die Ideen für Ihre Bücher her?

Meine Krimis entwickeln sich aus Berichten in den Medien zu Themen, die mich aus irgendeinem Grund länger beschäftigen. Die historischen Romane haben ihre Wurzeln in der Vorgeschichte meiner Familie, die ich unbedingt ergründen wollte. Über sie bin ich im wahrsten Sinne des Wortes in alle möglichen anderen Ideen gestolpert.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Kennen Sie am Beginn schon den Täter? “Planen” Sie die Geschichte?

Ich kannte und kenne Tat und Opfer von Anfang an. Den Täter dagegen fand ich anfangs erst im Laufe meiner ‚Ermittlungen‘. Inzwischen ‚plane‘ ich die Geschichte voraus, damit ich weder Ziel noch Faden, und vor allem den Täter nicht aus den Augen verliere.

Wie arbeiten Sie an Ihrem Schreibstil?

Ich habe eine tolle Lektorin. Durch die Arbeit mit ihr habe ich viel gelernt und an meinem Schreibstil gearbeitet. Inzwischen finde ich spätestens beim Durchlesen gerade fertiggestellter Kapitel die meisten meiner Schwachstellen und schreibe sie um, bevor der Text ins Lektorat geht.

Wie recherchieren Sie?

Kommt drauf an. Für meine historischen Romane recherchiere ich hauptsächlich vor Ort, aber auch in Sach- und Fachbüchern, und spreche mit Menschen, die sich mit meinem Thema auskennen. Für meine Krimis habe ich einen professionellen Rat- und Tippgeber in Heinz Rindlbacher, dem Chef der Polizei in Eichstätt. Für alle anderen Geschichten übernehme ich, was das Leben mir so erzählt.

Wie gehen Sie mit negativer Kritik um?

Wenn sie konstruktiv abgefasst ist, kann ich durchaus was damit anfangen. Wenn jemand Text oder Buch nur niederbügelt, denke ich mir meinen Teil und belasse es dabei.

Ist denn schon ein weiterer Roman geplant?

Einer?

Meinen Sie, die in manchen Kreisen gemachte Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur hat auch noch heute Bestand? Ist sie sinnvoll?

Das gehört für mich in die Rubrik ‚Geschmackssache‘. Darüber reden und/oder streiten macht für mich keinen Sinn.

Bedeuten diese “Pseudo-“Definitionen etwas für Ihre Arbeit? Haben Sie diese Begriffe im Kopf, wenn Sie schreiben?

Nein.

Apropos Schreiben: Wie schreiben Sie? Per Hand oder am Computer?

Am Computer. Da bin ich schneller.

Sie schreiben in verschiedenen Genres. Welches Genre macht Ihnen mehr Spaß?

Das ist stimmungs- und themenabhängig. Mir macht immer genau das Genre Spaß, in dem sich eine Geschichte ihren Weg aus meinem Kopf in die Tastatur bahnt.

Sie stellen Ihre Romane auch in Lesungen vor. Wo können sich denn die Fans in der nächsten Zeit ein Buch von Ihnen signieren lassen?

Ingolstadt am 8. Oktober 2016, Altstadttheater, 20:30 Uhr: Im Rahmen der Künstlerinnentage ‚Der Oktober ist eine Frau‘ lesen neun Mörderische Schwestern während der Ladies Crime Night aus ihren kriminellen Machenschaften. Ich bin eine davon und lese aus ‚Hurentöchter‘. Die nächsten Lesungen finden 2017 statt, dem Lutherjahr, weil mein Roman ‚Das Awaren-Amulett‘ genau dazu passt. Da gibt es mehrere bereits interessierte Ansprechpartner für tolle Leseplätze, mit denen ich gerade über passende Termine nachdenke. Bislang gibt es diesen Termin: 3. Februar, 19:30 Uhr in der Stadtbücherei Ingolstadt.

Es heißt, Schriftsteller müssen viel lesen. Wenn Sie die Wahl hätten, drei Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen zu können, welche Bücher wären das?

Das Gold des Meeres von Daniel Wolf, Was ich euch nicht erzählte von Celeste Ng, und Ich sehe dich von Janet Clark.

Welcher Ihrer Romane liegt Ihnen besonders am Herzen und warum?

Der im November 2016 erscheinende historische Roman ‚Das Awaren-Amulett‘. Durch die Recherchen für das Buch bin ich langsam aber sicher mit meinem Protagonisten Johannes verwachsen, einem österreichischen Exilanten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Als ich die Idee dazu entwickelte konnte ich nicht ahnen, wie aktuell sein Inhalt im Grunde genommen ist. Schon deshalb liegt es mir sehr am Herzen.

Jede Autorin, jeder Autor träumt vom großen Durchbruch, für den lange Zeit ganz hart gearbeitet werden muss. Dies einmal außer Acht gelassen haben Sie sicherlich auch noch andere Träume im Leben. Was würden Sie gerne noch machen wollen oder genießen?

Ich möchte sehr gerne mal wieder einige Zeit bei meinen Freunden in Asien verbringen und mit ihnen all das entdecken, was ich dort noch nicht kenne. Oder mit meinen drei Büchern eine Woche lang auf jener einsamen Insel abhängen, bevor ich mir einen Berg Nachschub bringen lasse und ein halbes Jahr dranhänge. Oder eines meiner Bücher als Theaterstück oder Film erleben.

Wie viele Manuskripte mussten Sie versenden, bis Ihr erster Roman einen Verlag gefunden hat?

Nicht viele, bis ich aufgegeben habe: sieben, acht? Der Lektor eines Verlages hat mir den Tipp gegeben, alles nochmal durchzulesen und seine Gedanken dazu begleitend mitlaufen zu lassen, die er mir beschrieb. Das habe ich gemacht und dann das Buch in die berühmte Schublade gesteckt, bis es viele Jahre später sein Zuhause im Verlag edition oberkassel gefunden hat.

Warum spielen Ihre Romane in der Vergangenheit?

Weil ich mich in der Schule über die nüchterne Art geärgert habe, wie man uns das eigentlich spannende Thema ‚Geschichte‘ zugemutet hat. Kein Einblick in das Leben historischer Personen und dem der Menschen um sie herum. Jahreszahlen, Namen, Fakten. Kein Platz für ‚Kopfkino‘. Da habe ich mir vorgenommen, das eines Tages zu ändern.

Kann man vom Schreiben überhaupt leben?

Vom Schreiben können sicherlich einige AutorInnen leben. Ich nicht. Noch lebe ich MIT dem Schreiben. Es lebt sich gut …

Wenn Sie Ihre bereits veröffentlichten Romane noch einmal zur Hand nehmen, entdecken Sie dann Textstellen, die Sie heute ganz anders schreiben würden?

Die Textstellen würde ich von der Idee her sicherlich lassen, wie sie sind. Aber ich würde das eine oder andere der Art anpassen, in der ich heute schreibe.

Wenn Sie nicht schreiben würden …

Wie jetzt: nicht schreiben? Geht gar nicht.

Hörbeiträge

Teilen:
Share